Andrea Bongers lässt in der Kniki die Puppen tanzen

Andrea Bongers gelingt Humorvolles über Erziehung und Beziehung in der ausverkauften Kniki.

„Mann weg, Kind aus dem Haus, Hund tot – ich bin jetzt in der Mitte des Lebens angekommen und kann endlich loslassen.“ So startet Andrea Bongers in einen vergnüglichen Kabarettabend unter dem Titel „Bis in die Puppen“ in der Kniestedter Kirche. Eingeladen hatte die Kleinkunstbühne, die sich über ein restlos ausverkauftes Haus freute.

Die vielseitige Künstlerin, sie ist auch Schauspielerin, Comedian, Puppenspielerin, Musikerin und Sängerin, thematisiert vor allem das Lebensgefühl der Frau in der Lebensmitte. Immer wieder geht es um das Ablassen von der Mutterrolle, das manchmal sehr schwer fällt, und das Sich-Einfinden in einen neuen Lebenssinn. Trotz aller Satire und Seitenhiebe auf so manche mütterliche Marotten hat dieses unterhaltsame Programm auch viel Tiefgang.

Jede Frau kann sich in den von Andrea Bongers dargestellten Facetten des Frauseins wiederfinden und viele Verklemmtheiten, die sich im Laufe der Zeit eingenistet haben, durch Lachen lösen. Verschmitzt und mit viel Fröhlichkeit agiert Andrea Bongers auf der Bühne und bringt schwierige Themen mit einer Leichtigkeit zum Tragen, die einfach Freude macht und wie bei einer Tragikomödie das oft gar nicht so lustige Leben von der humorvollen Seite zeigt.

Andrea Bongers bringt frischen Wind in Beziehungen und den Erziehungsalltag. Obwohl ihre Kinder schon erwachsen sind, beschäftigt sie sich mit der neuesten Erziehungsliteratur. „Es gibt mittlerweile 1600 Erziehungsratgeber!“, informiert sie und nennt den dänischen Erziehungspapst Jesper Juul, bei dessen Vorträgen „die jungen Mütter an seinen Lippen hängen“. Schließlich zitiert sie den englischen Schriftsteller D. H. Lawrence (1885-1930), der auf die Frage „Wie erziehe ich mein Kind?“ gesagt haben soll: „Lass es in Ruhe!“ Außerdem besingt sie das erzwungene Patchwork-Familienidyll aus Sicht ihrer zwölfjährigen Nichte.

Von der Er-Ziehung geht es bei Andrea Bongers zur Be-Ziehung, auch mit sich selbst. So unterhält sie sich mit vielen ihrer Facetten, versinnbildlicht durch die Puppen, die sie zum Einsatz bringt. Meistens ist es die „animalische Seite“, die diese Puppen verkörpern. Da ist zum Beispiel ein Schaf: „Früher war ich ein schwarzer Panther, jetzt bin ich altersmilde – also ein Schaf – geworden“, heißt es etwa.

Auch eine Schlange kommt zu Wort, die für die Erweckung der schlafenden Sexualität in der Frau eintritt und damit ihre reale Gesprächspartnerin in Verlegenheit bringt, alles wunderbar gespielt. Weitere Figuren sind ein Lehrer, der es schwer hat mit seinen Schülern, Opa Heinz, der über sein Verhältnis zu seinem Enkel nachdenkt, und Loverboy und Macho-Puppe Manolo, die die Puppenspielerin erst aufheizt, um sie dann abblitzen zu lassen, weil im Publikum eine neue Liebe wartet.

 

Damit bewegt sich Andrea Bongers im Spannungsfeld zwischen Erziehung, Beziehung und Selbsterfüllung und trifft damit den Lebensnerv vieler Frauen. Aber auch für Männer ist der Abend spannend und erhellend, denn sie erfahren viel über das weibliche Lebensgefühl. Kein Wunder, dass nach dem Auftritt alle beschwingt und erheitert nach Hause gehen.