„Wir sind noch knackig, aber schon dankbar“

Die Hamburger Sängerin und Sachensagerin Katie Freudenschuss begeistert 125 Zuhörer in der Kniestedter Kirche.

Katie Freudenschuss plädiert mit Gefühl und Pathos für mehr Glanz und Glamour im Alltag, obgleich: „Bis Hollywood is eh zu weit“, so der Titel ihres aktuellen Programmes, das die 40-jährige Künstlerin aus Hamburg am Samstagabend bei der Kleinkunstbühne vor rund 125 Besuchern in der Kniestedter Kirche präsentierte.

Katie Freudenschuss meidet die Schubladen Kabarett und Comedy und nennt sich selber Sängerin, Musikerin und Sachensagerin. Mit diesen Beschreibungen liegt sie für ihre Kunst genau richtig, denn was Katie Freudenschuss liefert, ist mehr als nur klassisches Kabarett oder gängige Comedy. Die 40-Jährige brilliert durch feine Beobachtungsgabe und greift alltägliche Themen und Situationen auf, die sie mit Musik und Sprache genüsslich durch den Kakao zieht. 

Mit schonungsloser Offenheit karikiert sie Jugend- und Schönheitswahn sowie diverse Formate im Privatfernsehen und sinniert darüber, wie es sich anfühlt, mit 35 Single zu sein. Aus diesen Betrachtungen zieht sie den Schluss: „Uns ist noch eine Restwürde bei der Partnerwahl geblieben – wir sind noch knackig, aber schon dankbar.“ Ein bisschen Häme mischt bei Katie Freudenschuss immer wieder mit.

Präzise nimmt sie ihre Umwelt und sich selbst wahr. Dazu gehören ihre Beschreibungen von Alltagserlebnissen, zum Beispiel beim Schuh- oder Kleiderkauf sowie beim Besuch in einer Kosmetikkette. Die von Katie Freudenschuss dargestellten Reaktionen der Verkäuferinnen auf ihr Anliegen, kann jede Frau bestens nachvollziehen.

In Höchstform läuft Freudenschuss auf, wenn sie auf Zuruf improvisiert. Aber zuvor interviewt sie Ralf und Regina – ein Pärchen im Zuschauerraum. Mit ihren Informationen setzt sie sich ans Klavier und macht daraus ein Lied. Die Zuschauer sind verblüfft. Völlig hingerissen ist das Publikum am Schluss, als Katie Freudenschuss sich von den Besuchern die guten Seiten von Salzgitter zurufen lässt und daraus ein Lied improvisiert, wohlgemerkt nach Melodien, die sich das Publikum ebenfalls gewünscht hat. Dazu zählen in der Kniki „Atemlos“, „Highway to hell“ und „Sexbomb“.

Freudenschuss ist Musikerin durch und durch, fragt sich aber auch, warum sie kein Popstar geworden ist. Das liege wohl daran, dass sie kein Schwedentyp sei. Zwischendurch wird sie musikkabarettistisch und bringt Lieder aus dem Fußballstadion zu Gehör. Dazu kommentiert sie: „Diese Lieder kommen intellektuell eher unaufdringlich daher.“

 

Die Zuschauer in der Kniki erleben zwei Stunden lang eine musikalische und sprachliche Achterbahnfahrt, die Spaß macht. Dafür gibt es viel Applaus.