Malmsheimer füllt sprachliche Kunstformen mit Kabarett

Der gelernte Buchhändler spielt mit den Worten.

Mit großer Stimm- und Wortgewalt lässt sich Kabarettist Jochen Malmsheimer über die Miss- Ein- und Unverständnisse des Lebens aus. Präsentiert von der Kleinkunstbühne, war der 55-jährige Wortakrobat am Freitagabend zu Gast in der ausverkauften Kniestedter Kirche. Es sind vor allem die Profanitäten des Lebens, die bei Malmsheimer auf unnachahmliche Weise zur Sprache kommen. Jochen Malmsheimer hat in der Kabarett- und Comedy-Szene eine neue Kunstform geschaffen: Das epische Kabarett. Er stelle sich nicht nur hin und redet, sondern liest selbstverfasste Texte auf lebendige Art und Weise vor. In diesen Texten hat er seine Gedanken zu verschiedenen Themen niedergeschrieben. Da geht es zum Beispiel um die Frage, wann der richtige Zeitpunkt ist, die Kinder loszulassen: „Wenn man sie zu früh loslässt, fallen sie vom Wickeltisch, wenn man sie zu spät loslässt, bleiben sie bei einem wohnen bis zu Rente.“

Seine Pointen sitzen und sorgen für viele Lacher. Auch seine „Psalmen über die Sorge“ oder seine Betrachtungen über die „Hose“ sind zwar absurd, aber so hinreißend dargeboten, dass es Spaß macht, zuzuhören, auch wenn es eigentlich Unsinn ist, was Malmsheimer da verbreitet. Immer wieder trifft er aber den Nagel auf den Kopf, wenn es zum Beispiel um das Fernsehprogramm geht, das seiner Meinung immer substanzloser geworden ist.

Der „schöne Mann um die 50 Jahre“ ist ein weiteres Objekt, über das Malmsheimer gerne philosophiert. Außerdem ist er der Ansicht: „Wenn Frauen ein Irrweg sind, sind Männer eine Sackgasse.“ Malmsheimer spielt mit der Sprache. Der ausgebildete Buchhändler ist ein echter Sprach- und Literaturfreak. Seit 25 Jahren steht er auf der Bühne, setzt die Satzteile wie Subjekt, Prädikat, Objekt so zusammen, wie es ihm beliebt. Heraus kommen dabei sprachliche Kunstformen, die er mit kabarettistischem Inhalt füllt. Der Besucher muss sehr genau und konzentriert zuhören, um den roten Faden der Ausführungen nicht zu verlieren.

Apropos Faden: „Da beißt die Maus keinen Faden ab.“ Diese Redewendung nimmt Malmsheimer zum Anlass, diese Aussage ad absurdum zu führen: „Eine Maus beißt in keinen Faden.“ Auch sei ihm die „erfrischende Kenntnisfreiheit“ vieler Zeitgenossen über verschiedene Dinge“ aufgefallen. Schließlich kommt er zu der Ansicht, es sei richtig, was sein pubertierender Sohn sagt: „Chill mal dein Leben“. Das wolle er auch beherzigen, wenn auch das Wort „Chillen“ nicht unbedingt im Wörterbuch steht. Zum Thema „Chillen“ macht Malmsheimer die Sprache selbst zum Objekt seiner Betrachtungen.

 

Die Zuschauer erleben einen hinreißenden Kabarettabend mit einem Künstler in Topform.