Pozzato sorgt sich um Kleinkunstbühne - newsclick.de

Das Programm kann sich sehen lassen, dennoch ist Wolfgang Pozzato in Sorge um die Kleinkunstbühne in Salzgitter-Bad.

Seit Beginn der aktuellen Spielzeit ist das Platzangebot reduziert. Und wenn sich mittelfristig das Management nicht mehr ehrenamtlich stemmen lässt, steht der Verein vor einer riesigen finanziellen Herausforderung.

Noch läuft alles in den üblichen, geordneten Bahnen. Klaus Geisser managt die Kleinkunstbühne in allen Belangen: Vertragsfragen, Steuerangelegenheiten, Abrechnungen – all das läuft über seinen Schreibtisch. Ehrenamtlich. „Bei uns fallen für die Vereinsführung also keine Kosten an“, sagt Vereins-Chef Pozzato. Mittelfristig, ist sich Pozzato sicher, wird Geisser sein Ehrenamt aus Altersgründen aufgeben. Andeutungen habe es dazu schon wiederholt gegeben. In den nächsten ein, zwei Jahren könne es dazu kommen, dass die Kleinkunstbühne eine neue Kraft für organisatorische und verwaltungstechnische Aufgaben brauche.

Dass sich erneut jemand finden lässt, der diese Aufgabe ehrenamtlich übernehmen könnte, bezweifelt Pozzato. Allein schon wegen des großen zeitlichen Aufwands. Aber auch wegen der fachlichen Anforderungen. „Im Prinzip bräuchten wir dann eine Person, die sich um die Verwaltung kümmert. Und eine Person, die sich steuer- und finanztechnischen Fragen annimmt.“ Mit den 6000 Euro, die die Kleinkunstbühne derzeit als Zuschuss von der Stadt Salzgitter erhalte, seien solche Fachkräfte nicht zu bezahlen. „Wir müssen mit der Stadt sprechen, ob sie uns unterstützen wird. Oder wir müssen den Laden zu machen“, sagt Pozzato.

Weil mit Beginn der laufenden Spielzeit neu Vorschriften für Fluchtwege umgesetzt worden sind, kann die Kleinkunstbühne überdies weniger Karten verkaufen. Je nach Bühnengestaltung dürfen in der Kniestedter Kirche 160 bis 180 Gäste Platz nehmen. Im Schnitt sind das 20 Besucher weniger, als vor Neugestaltung der Stuhlreihen. „Wir verkaufen aber nicht nur weniger Eintrittskarten, sondern haben auch weniger Getränkeumsatz. Und am Ende des Jahres macht der Getränkeverkauf einen großen Teil unseres Jahresergebnisses aus“, sagt Pozzato. Am Ende des Veranstaltungsjahres „müssen wir gucken, ob wir die Eintrittspreise halten können.“

Das geschrumpfte Platzangebot ist das eine, das andere: „Wir verkaufen nicht jede Veranstaltung aus.“ Als Grund dafür hat Pozzato auch mangelnden Dialog unter den Kulturschaffenden ausgemacht. Zwar würden sich beispielsweise die Kleinkunstbühne und der Kulturkreis bei der Terminierung ihrer Veranstaltungen abstimmen. Aber viele weitere Anbieter eben nicht. Auch wenn es einmal jährlich einen großen Runden Tisch gebe, koordiniert vom Kulturamt der Stadt, um Termine in Einklang zu bringen.

So sei es aber trotzdem beispielsweise dazu gekommen, dass sich Kulturinteressierte Anfang Dezember an einem Tag zwischen vier Veranstaltungen hätten entscheiden müssen. „Darauf können wir nicht kurzfristig flexibel reagieren, weil wir die Künstler auch weit im Voraus buchen müssen.“ So gibt es jetzt bereits erste Vorgespräche mit prominenten Künstlern für Auftritte in 2018.

Pozzato sieht mit Sorge, dass der Zuschauerzuspruch sinkt. „Und das hat eindeutig nichts mit der Qualität des Programms zu tun.“ Das Zuschauerpotenzial für kulturelle Veranstaltungen sei in Salzgitter nicht unerschöpflich. Der Chef der Kleinkunstbühne hat über die Jahre einen Kern von 300 bis 400 Kulturinteressierten ausgemacht.

Den Kopf in den Sand zu stecken ist für ihn aber keine Alternative. Die Kleinkunstbühne will alle Möglichkeiten nutzen, sich und ihr Programm bekanntzumachen. In diesem Jahr zum Beispiel durch die Teilnahme am Frühlingsrausch, eine Veranstaltung der Werbegemeinschaft Salzgitter-Bad.

 

Positiv ist auch, dass sich der Vorstand der Kleinkunstbühne verjüngt. „Im Vorstand sind viele, meine Person eingeschlossen, um die 70 Jahre alt. Und wir wollen auch Platz für Jüngere machen. Es ist also ein Glücksfall, dass wir nun zwei junge Leute im Vorstand haben. Das muss so weiter gehen“, sagt Pozzato.